• Foto zum Thema Care-Arbeit bei Frauen: Zu sehen ist eine Waage, die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern symbolisiert. Die dbb jugend sieht das Gleichgewicht nicht gegeben.
    Frauen leisten mehr Care-Arbeit als Männer und arbeiten öfter in Teilzeit. Das kann mit Blick auf Karrierechancen zu Nachteilen führen. Foto: Wolfgang Filser/Colourbox

Care-Arbeit bei Frauen Raus aus der Teilzeitfalle, rein in faire Arbeitsbedingungen

Frauen investieren 44,3 Prozent mehr Zeit in Care-Arbeit als Männer und 84 Prozent der Teilzeitbeschäftigten im öffentlichen Dienst sind Frauen – das bleibt nicht ohne Folgen. Die dbb jugend fordert ein Umdenken.

Teilzeitarbeit kann zu Nachteilen führen. Wer weniger arbeitet, verdient nicht bloß weniger, sondern zahlt auch weniger Beiträge in die Rentenversicherung ein, was die Gefahr von Altersarmut erhöht. Hinzu kommt: Mitunter setzen Arbeitgebende Teilzeitarbeit mit geringer Motivation gleich, was Karrierechancen schmälert.

„Das ist ein Missstand, der insbesondere Frauen betrifft“, sagt Daria Abramov, stellvertretende Vorsitzende der dbb jugend mit Blick auf den Frauentag 2025. „Wir müssen gesellschaftlich umdenken, dürfen nicht an veralteten Rollenbilden festhalten und müssen für eine faire Verteilung von Care-Arbeit zwischen den Geschlechtern sorgen.“

Die Statistik spricht eine eindeutige Sprache. Von insgesamt 5,27 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst arbeiten 1,85 Millionen in Teilzeit. Davon sind knapp 84 Prozent Frauen. In absoluten Zahlen: 1,42 Millionen. Das geht aus dem Monitor 2025 hervor.

In der Praxis ist es so, dass Frauen stärker mit Nachteilen konfrontiert sind, weil sie die meiste Care-Arbeit leisten.

Daria Abramov

Care-Arbeit und Arbeitswelt vereinen

Es gibt zahlreiche Gründe, weshalb Menschen in Teilzeit arbeiten. Dazu gehören Kinderbetreuung, die Pflege von Angehörigen und oft auch der Wunsch, Familien- und Berufsleben unter einen Hut zu bekommen. „Care-Arbeit und Arbeitswelt müssen sich besser vereinen lassen, als es aktuell der Fall ist“, unterstreicht Abramov. „In der Praxis ist es so, dass Frauen stärker mit Nachteilen konfrontiert sind, weil sie die meiste Care-Arbeit leisten“ – in Deutschland investieren sie dafür 44,3 Prozent mehr Zeit als Männer. Das belegen Zahlen des Statistischen Bundesamts.

Um die Situation zu verbessern, fordert die dbb jugend, mit den nachfolgenden Maßnahmen gegenzusteuern. Sie zielen darauf ab, insgesamt für mehr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern zu sorgen. Auch Männer können profitieren.

Mehr Top-Sharing ermöglichen. Bei diesem Konzept teilen sich Teilzeitbeschäftigte Führungspositionen. Nicht selten schrecken qualifizierte und motivierte Arbeitnehmende wegen familiärer Verpflichtungen davor zurück, mehr Verantwortung zu übernehmen. Zum einen kann sich das perspektivisch negativ auf Karrierechancen auswirken. Und zum anderen bleiben auch für den Staat als Arbeitgeber wertvolle Ressourcen ungenutzt.

„Top-Sharing ist ein Modell, von dem beide Seiten profitieren“, unterstreicht Sandra Heisig, erste stellvertretende Vorsitzende der dbb jugend. „Deshalb fordern wir den Ausbau solcher Angebote, um jungen Frauen neben der Care-Arbeit Führungspositionen zu ermöglichen, die Belastung von Führungskräften in Teilzeit zu verringern und unabhängig von Wochenstunden die Bestenauslese zu gewährleisten.“

Maximale Flexibilität sicherstellen. Das Kind in die Kita bringen, bei pflegebedürftigen Angehörigen vorbeischauen, einen Arztbesuch oder Behördengang erledigen – die dbb jugend sieht ein Homeoffice und mobiles Arbeiten als wirksames Instrument, um Care-Arbeit und Berufsleben in Einklang zu bringen. Heisig: „Klar ist natürlich, dass dabei auch die Gegebenheiten im Job berücksichtigt werden müssen.“

Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen steigt schneller als das Angebot, leider oft zum Nachteil von berufstätigen Frauen.

Sandra Heisig

Kinderbetreuung muss sich verbessern

Doch was ist mit Frauen, die gar nicht in Teilzeit arbeiten wollen oder es sich finanziell nicht leisten können? „Um mehr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern zu schaffen, müssen wir mehr in Kitas investieren“, sagt Sandra Heisig. Der öffentliche Dienst und seine privatisierten Bereiche müssten das Angebot von Ganztagsbetreuungsplätzen weiter ausbauen. Im Vergleich zur freien Wirtschaft bestehe Nachholbedarf.

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Klar ist, dass sich die Versäumnisse der Vergangenheit nicht von einem Tag auf den anderen korrigieren lassen, resümiert die Gewerkschafterin. „Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen steigt schneller als das Angebot, leider oft zum Nachteil von berufstätigen Frauen.“ Deshalb plädiert die dbb jugend für flexible Lösungen: „Auch Eltern-Kind-Büros können ein Weg sein, um es Müttern einfacher zu machen.“

Text: Christoph Dierking